Globaler Einkauf und neuer Nationalismus

Über die Grenzen der Globalisierung

Frei zugängliche Märkte sind Voraussetzung für erfolgreiches Global Sourcing. Bis vor kurzem hat der wirtschaftspolitische Mainstream die immer freieren Märkte als Fortschritt aufgefasst, der unbedingt weiterverfolgt werden solle. Nun mehren sich mahnende Stimmen, man sei im Begriff, den goldenen Mittelweg zu verlassen. Der neue Nationalismus sei Ausdruck des Widerstands gegen den weltweiten Freihandel, also auch gegen Global Sourcing. Der Nationalstaat werde als die öffentliche Institution wahrgenommen, der am ehesten Problemlösungen zugetraut werden. Wollten wir eine gewisse Diversität in Lebens- und Wirtschaftsweisen erhalten, könnten die Märkte nicht ganz frei sein.

Theorie und Politik haben zweifellos zu lange kleinräumige Wirtschaftskreisläufe vernachlässigt, nach dem Motto «bigger is better». Obwohl der Freihandel immer schon zum Verlust von Arbeitsplätzen führte, hat er jeweils auch neue geschaffen. Doch heute ist dies anders: Zum ersten Mal lassen sich die durch Effizienzgewinne der internationalen Arbeitsteilung freiwerdenden Arbeitskräfte nicht mehr produktiv in anderen Branchen einsetzen. Dies bedeutet, dass der Freihandel zwar weiterhin Arbeitsplätze zerstört, aber kaum noch neue schafft. Die Produktivität der digitalisierten Maschinen ist so gewaltig, dass die Weltwirtschaft diese Arbeitskräfte schlicht nicht braucht.

Diese neue Ungemütlichkeit zeigt sich in den internationalen Handelskonflikten: Früher ging es darum, wer konsumieren darf. Heute geht es darum, wer produzieren darf. Trump verspricht, Arbeitsplätze zurück in die USA zu holen. Schon die Obama-Administration hat schwarze Listen erstellt mit Ländern, welche zu viel in die USA exportieren und damit Arbeitsplätze stehlen. Dieser protektionistische Trend wird die Globalisierung zwar bremsen, aber nicht stoppen. Es ist zu hoffen, dass die Weltgemeinschaft die goldene Mitte zwischen freien und abgeschotteten Märkten findet.

Was bedeuten diese Überlegungen für den Einkauf? Je stärker der Franken, desto stärker werden die Prozesse durch die Global-Sourcing-Brille gesehen. Dies ist im Moment zweifellos richtig, darf aber nicht zur langfristig gültigen Regel werden. Denn wenn der Protektionismus stärker wird, sind diejenigen Unternehmen besser aufgestellt, welche das Global Sourcing heute verantwortungsvoll betreiben. Dies bedeutet, den lokalen Beschaffungsmarkt nicht ganz aus den Augen zu verlieren, auch wenn es kurzfristig kostet.

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