Schöpferische Zerstörung

Schöpferische Zerstörung

Diese Covid-19-Geschichte wird noch lange andauern, soziales Distancing mit allen Konsequenzen scheint normal zu werden. Dies wird einen grossen Strukturbruch in Wirtschaft und Gesellschaft nach sich ziehen. Es wird wohl nie mehr sein wie vorher.

Neue Unternehmen werden auf den Trümmern von alten entstehen. Im Jahr 1911, drei Jahre vor dem Ausbruch des ersten Weltkriegs, nannte der Österreichische Ökonom Joseph Schumpeter dieses Phänomen «Schöpferische Zerstörung». Es lassen sich interessante Parallelen ziehen zwischen der Lage damals und heute.

Damals war eine rasante Entwicklung im Gang, die Elektrifizierung beflügelte die industrielle Entwicklung in nie gekanntem Ausmass und veränderte die Lebensrealität der Menschen. Heute ist das Internet der Dinge die treibende Kraft des Wandels der Produktionsbedingungen und des Alltags. Dieser Wandel lief zwar schnell ab, aber doch kontinuierlich und nicht von einem Tag auf den andern. Der richtig einschneidende Hammerschlag kam damals mit dem ersten Weltkrieg: Die ganze Weltwirtschaft wurde binnen kürzester Zeit auf Kriegsproduktion umgestellt. Firmen, die dies verschlafen haben, gingen sang- und klanglos unter, andere erblühten auf der Grundlage neuer Geschäftsmodelle. So hat es damals die Schweizer Bankenwelt verstanden, die Neutralität als Grundlage zu nutzen, um in der «sicheren» Vermögensverwaltung zur Weltführerschaft aufzusteigen.

Als der Krieg vorbei war, blieb die neue Produktionsstruktur. Dies äusserte sich in etwa in der Automobilisierung von Gesellschaft und Produktion. Die Fähigkeit, billige Autos herzustellen, geht auf das militärische Bedürfnis nach Lastwagen zurück.

Ich wage die Voraussage, dass es dieses Mal gleich sein wird. Die durch die Seuche ausgelöste Veränderung wird bleiben und im Nachhinein als logisch erscheinen. Das Problem besteht also darin, jetzt zu erkennen, was sich wie verändern wird und dies zu nutzen. Dabei ist die alte Denkkategorie «Branche» viel zu grob. Es gibt innerhalb jeder Branche Gewinner und Verlierer. Es scheint also weniger darauf anzukommen, was eine Firma macht, sondern wie sie es macht. Im Tourismus haben die internationalen Reiseanbieter Mühe, während regionale Anbieter sich der Nachfrage kaum erwehren können. Gebrauchsgüterverkäufer wie Ikea machen Rekordumsätze, während Investitionsgüterhersteller darben. In der Gastronomie boomt alles mit Lieferservice, während stationäre und auf das Mittagsgeschäft ausgerichtete Restaurants leiden.

Es gilt also, die Denkmuster zu verfeinern und zu überprüfen, was unter den gegebenen Umständen zukunftsfähig ist. Ich würde viel dafür geben, zehn Jahre nach vorn zu reisen um die dann geltenden Selbstverständlichkeiten anzusehen und heute in einem Geschäftsmodell umzusetzen.

Schöpferische Zerstörung