Leadership und Sozialisierung

Leadership und Sozialisierung

Die Kaderschule Zürich (deren Geschäftsführer ich bin) bietet zusammen mit Partnerfirmen den Lehrgang PWA (Postmaturitäre Wirtschaftsausbildung) an, mit dem Maturandinnen und Maturanden in die Praxis gebracht werden. Daher wissen wir, wo im Rekrutierungsprozess der Schuh drückt.

Der Nachwuchs, egal ob Lernende, Maturanden oder Hochschulabgänger, sei emotional je länger je weniger bereit für die Wirtschaftswelt. Sie sind sich nicht gewohnt, geführt zu werden von Chefs, die auch mal Leistung jenseits der Komfortzone einfordern. Es drängt sich die Frage auf, wie es um die Leadership in der Volksschule steht. Sie ist die Sozialisierungsmaschine der ganzen Gesellschaft.

Lehrpersonen auf Primar- und Sekundarstufe haben einen anspruchsvollen Job, in dem Leadership pur gefordert ist. Sie müssen jeden Tag mit guter Laune vorangehen, fordern und fördern, fair sein, jedes Kind individuell nacherziehen. Dies alles erfordert grossen Einsatz und viel Energie.

Die Gesellschaft behindert diese Leadership, indem das Sozialprestige der Lehrpersonen abnimmt. Niemand will zurück zu allmächtigen Lehrern mit dem Recht zur körperlichen Züchtigung. Aber einen kleinen Rest der moralischen Autorität des Schulmeisters von einst hätten die heutigen Lehrer verdient. Sie müssen ihre Arbeit im Spannungsfeld politischer Behörden, egozentrischer Eltern und unerzogener Kinder ausüben. Die drei Anspruchsgruppen haben eine Gemeinsamkeit: Auf Probleme wird mit dem Beizug von «Experten» reagiert. Es wird eine ganze Expertenindustrie unterhalten, die bei fast jedem Kind Störungen diagnostiziert und behandelt. Dies nimmt den Lehrpersonen Kompetenzen und fördert bei den Jungen eine «Entschuldigungskultur».

Die Schule versucht, es allen recht zu machen und verliert so an Autorität. Das Gutgemeinte wird mit Schwäche verwechselt und oft ausgenützt. So entwickeln die Kinder der Schule gegenüber eine Konsummentalität, es soll geliefert werden, aber nicht gefordert. Wie soll es später im Betrieb anders sein?

Wenn die Schulen den Nachwuchs auf den Arbeitsmarkt vorbereiten sollen, müssen wir es den Lehrpersonen ermöglichen, ihre Leadership zu leben. Geben wir den Lehrpersonen die Wertschätzung, die sie verdienen. Dazu gehört, dass man auch mal einen unangenehmen Entscheid oder eine schlechte Note schluckt. Die sich dabei entwickelnde menschliche Grösse, ist für berufl ichen Erfolg und persönliches Glück entscheidend.

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